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Das Frauenorchester von Auschwitz

Musiktheater in zwei Akten von Stefan Heucke
Libretto von Clemens Heucke

Am 16. September 2006 fand im Theater Krefeld/Mönchengladbach die Uraufführung der Oper „Das Frauenorchester von Auschwitz“ statt. Inszeniert hat das Werk der Generalintendant des Hauses, Jens Pesel. In der Rolle der Dirigentin Alma Rosé war die weltberühmte norwegische Altistin Anne Gjevang (Oslo) zu hören. Die musikalische Gesamtleitung hatte GMD Graham Jackson. Erstmals ist mit diesem Werk das Leben im KZ Gegenstand einer Oper. Thema des Stückes ist der sicherlich extremste Missbrauch von Musik, den es jemals gegeben hat. Selbst unter den für uns Nachgeborene unvorstellbaren Bedingungen eines Vernichtungslagers hat die Musik ihre lebensrettende Funktion für die Mitglieder des Orchesters bewahrt. Die Komposition des Werkes wurde finanziert von der Werner Richard - Dr. Carl Dörken - Stiftung (Herdecke), dem Zentralrat der Juden in Deutschland und dem Fonds Neues Musiktheater des Kultursekretariats NRW in Wuppertal.

Historischer Hintergrund

tatsächlich ein Frauenorchester gegeben. Dieses Orchester bestand zum großen Teil aus musikalischen Laien und zum kleinen Teil aus professionellen Musikerinnen. Die Dirigentin des Orchesters war die Nichte Gustav Mahlers, die vorzügliche und zu ihrer Zeit berühmte Geigerin Alma Rosé. Das Orchester war zunächst von der SS zusammengestellt worden, um beim Aus- und Eingang der Häftlinge vom Lager zur Arbeitsstätte und wieder zurück Märsche zu spielen, damit die Häftlinge leichter gezählt werden konnten. Sehr bald aber wurde dieses Orchester zu einem Bestandteil des „sozialen“ Lebens im Lager. Die Frauen spielten außer bei dieser Gelegenheit ebenfalls bei der Ankunft der Häftlinge im Lager, bei den Selektionen und im Krankenblock. Schließlich musste die Kapelle auch Konzerte für die SS geben und bei Weihnachtsfeiern, Bällen etc. mitwirken.

Das Frauenorchester

Das Orchester war bis zu 50 Personen stark, bestand aus einer überaus abenteuerlich zusammengewürfelten Besetzung (Violinen, Blockflöten, Querflöten, Gitarren, Mandolinen, Akkordeons, Cello, Kontrabass, Klavier und Schlagzeuge). Für diese Besetzung haben Alma Rosé und ihre professionellen Helferinnen Stücke der klassischen Musik und der leichten Muse arrangiert, dann geprobt und bei den entsprechenden Gelegenheiten aufgeführt. Sehr viele Spielerinnen des Orchesters haben Auschwitz eben durch das Musizieren im Orchester überlebt. Alma Rosé selbst als eine der wenigen tragischerweise nicht.

Quellen

Das Frauenorchester ist dank des 1976 zunächst in französischer Sprache und dann 1980 in deutscher Übersetzung erschienenen Romans „Das Mädchenorchester in Auschwitz“ von Fania Fénelon, eines Mitgliedes des Orchesters, ausführlich dokumentiert. Die Authentizität dieses Romans wurde von der jüngeren Forschung, nicht zuletzt aufgrund von abweichenden Darstellungen anderer überlebender Frauen aus dem Orchester, stark in Zweifel gezogen. Allerdings haben inzwischen weitere Untersuchungen die unterschiedlichen Darstellungen zu einem umfassenderen Bild der Ereignisse von damals verdichtet.

Persönlicher Hintergrund

Der Roman begegnete dem Komponisten Stefan Heucke erstmals 1980. Bereits bei der ersten Lektüre entstand der unumstößliche Plan, aus diesem Stoff eine Oper zu gestalten. Nach sehr langen Planungen und Recherchen bat er seinen Bruder, den Historiker Dr. Clemens Heucke, ein Libretto für diese Oper zu schreiben. In das Libretto flossen nicht nur Forschungen vor Ort ein, sondern auch Gespräche mit Überlebenden. Es wurde im Sommer 1998 fertig gestellt. Bei der endgültigen Ausgestaltung des Librettos haben die beiden mit zahlreichen Anregungen und Korrekturen u.a. besonders unterstützt:

- die ehemalige Cellistin im Frauenorchester, Frau Anita Lasker-Wallfisch, London,

- der ehemalige Leiter der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, Herr Kasimierz Smólen, Oswiecim,

- die Soziologin Frau Dr. Gabriele Knapp, Berlin, die eine umfassende soziologische Untersuchung über das Frauenorchester in Auschwitz verfasst hat.

Das Opernprojekt

Die Besetzung umfasst außer zahlreichen Gesangssolistinnen, Schauspielerinnen und dem üblichen großen Orchester ein Bühnenorchester, entsprechend dem originalen Frauenorchester von Auschwitz in verkleinerter Form. Da bekannt ist, woraus das Repertoire des Orchesters bestand, werden etliche Ausschnitte aus klassischen Werken (Schubert, Schumann, Puccini, Strauss, Suppé) im Klanggewand dieses Ensembles in die Oper integriert sein. Die Oper erzählt die Geschichte des Orchesters mit Eintritt der Chronistin Fania Fénelon ins Ensemble im Januar 1944 bis hin zu dessen Auflösung im November 1944.

Die Realisierung

Mit der Komposition des Stückes hat Stefan Heucke im Oktober des Jahres 2001 begonnen. Die Arbeitszeit erstreckte sich bis März 2006.